Zwei Smartphones mit der Lokal-Los.-App, links die Eventübersicht, rechts eine Eventdetailseite

Solo Product Design Case · 2026 · Bootcamp-Projekt – Digitale Leute

Lokale Events einfach, übersichtlich und gebündelt an einem Ort finden.

In dieser Case Study zeige ich, wie ich ein breites Ausgangsthema mit Research, KI und UX-Methoden Schritt für Schritt auf eine klare Problemstellung eingegrenzt und dafür eine nutzerzentrierte Lösung entwickelt habe.

Rolle:
Solo Product Designerin
Dauer:
4 Monate
Tools:
Figma, Miro, Claude, Google Forms
Research:
4 Interviews · Umfrage · 2 moderierte Usability-Tests

Problem

Ausgangsfrage

Haben Menschen Probleme, an lokale Alltagsinformationen zu kommen? Gemeint waren damit Müllabholung, Parken und öffentliche Toiletten genauso wie Veranstaltungen.

Fokussiertes Problem

Menschen, die spontan etwas in ihrer Umgebung unternehmen wollen, finden lokale Events nur mit großem Aufwand. Die Suche über verschiedene Kanäle kostet Zeit und ist frustrierend.

Hinweis

Der Begriff „Events“ wird hier als Überbegriff verwendet. Er umfasst Veranstaltungen und Aktivitäten, die lokal in der eigenen Umgebung stattfinden.

Research & Insights

In vier Schritten von der breiten Ausgangsfrage zum fokussierten Problem: Desk Research, Interviews, Umfrage und Clustering.

Schritt 1: Desk Research

Die Recherche zu lokalen Alltagsinformationen zeigte, dass es an mehreren Stellen Probleme gibt. Wo sie am größten sind, war aber noch offen.

Ergebnis: Probleme bestätigt, Schwerpunkt noch unklar.

Schritt 2: Interviews

In vier Interviews sprachen drei Personen von sich aus über lokale Events. Zwei davon beschrieben konkrete und wiederkehrende Probleme bei der Suche.

Ergebnis: möglicher Themen-Shift zu Events, mit einer Umfrage zu prüfen.

Schritt 3: Umfrage

Um die Richtung aus den Interviews zu prüfen, habe ich eine Online-Umfrage mit 27 Teilnehmenden durchgeführt. In fünf Abschnitten ging es vom allgemeinen Suchverhalten über Schwierigkeiten bei lokalen Themen bis gezielt zu Events. Wer keine Schwierigkeiten hatte oder nicht nach Events suchte, wurde vorher herausgefiltert, sodass die Event-Fragen nur die 17 Event-Suchenden beantwortet haben. Vorab habe ich Hypothesen mit Zielwerten festgelegt, um die Ergebnisse daran zu messen.

Ergebnis: Der Themen-Shift ist bestätigt: Fokus auf lokale Events.

Umfrageergebnis
65 %
nennen Events als das Thema, bei dem sie am schwersten an Informationen kommen
64,7 %
prüfen oft oder immer mehrere Kanäle
90 %
finden schwer auffindbare Infos eher oder sehr frustrierend

Schritt 4: Wo liegt das Problem?Angewandte Methode – Affinity Mapping

Um herauszufinden, wo bei Events der Schwerpunkt des Problems liegt, habe ich alle Erkenntnisse aus Desk Research, Interviews und Umfrage geclustert. Dabei haben sich drei Bereiche ergeben:

  • Informations­qualität
  • aufwendige Suchwege (priorisiert)
  • Orientierung

Priorisiertes ProblemfeldAufwendige Suchwege

Events sind über viele einzelne Webseiten und Kanäle verteilt. Jede Seite ist anders aufgebaut, das überfordert schnell, und man muss sich immer wieder neu orientieren. Unklare Angaben erfordern zusätzliche Suchen. Das kostet Zeit und wird mehrfach als frustrierend beschrieben.

Außerdem setzt dieses Problemfeld an der Ursache an. Fehlende Orientierung und Zweifel an der Informationsqualität entstehen vor allem dadurch, dass alles verstreut ist. Wer den Suchweg vereinfacht, löst damit auch einen Teil der anderen Probleme.

„Jede zusätzliche Clubseite ist ein weiterer Schritt und macht die Suche aufwendig.“

– Interviewperson 4

Für wen löse ich dieses Problem?

Auf Basis aller Erkenntnisse und des fokussierten Problemfelds „aufwendige Suchwege“ ist meine Persona entstanden.

„Bei Events gibt es nicht eine Möglichkeit, wo man alles im Überblick hat:wann, wo, was und wer da auftritt.“

Ideation & Konzept

Aus der HMW-Frage habe ich drei Richtungen entwickelt, die Luka die Suche abnehmen könnten. Jede folgt einer eigenen Grundlogik.

Aus der IdeationZiel: alle Events in seiner Umgebung finden, ohne mehrere Quellen durchsuchen zu müssen.
  • Community-Feed · Grundlogik: Beitragen

    Ein lokaler Feed, in dem Menschen Events posten, die sie kennen oder selbst veranstalten, auch die kleinen.

    Haken: Das Sammeln liegt bei den Nutzern. Ohne Beiträge bleibt der Feed leer.

  • Persönlicher Assistent · Grundlogik: Vorschlagen

    Ein KI-Assistent, dem Luka in Alltagssprache sagt, worauf er Lust hat, etwa „heute Abend was Spontanes in der Nähe“. Er stellt daraus eine passende Auswahl zusammen.

    Haken: Gefilterte Auswahl statt Überblick. Passt der Vorschlag nicht, beginnt die Suche von vorn.

  • Zentrale Plattform · Grundlogik: Bündeln

    Bündelt alle lokalen Veranstaltungen einer Umgebung an einem Ort, kategorisiert und filterbar, von großen Konzerten bis zum kleinen Clubabend.

    Haken: Die Idee steht und fällt mit Vollständigkeit.

Entscheidung

Nur die zentrale Plattform löst Lukas eigentlichen Pain Point, weil sie die verstreuten Events zusammenbringt. Assistent und Feed können später Features der Plattform sein, umgekehrt nicht.

Riskante Annahme

Die Übersicht muss vollständig genug sein, damit Luka ihr vertraut und seine bisherigen Kanäle aufgibt. Hat sie Lücken, geht er zurück zu Instagram und Clubseiten.

Der Weg zur Vollständigkeit

Deshalb liegt der Fokus auf Vollständigkeit und damit auf der Frage, wie die Events überhaupt in die App kommen. Lokal Los. kombiniert dafür vier Wege:

  1. Bestehende Quellen · Basis

    über Schnittstellen, Skripte und KI gebündelt.

  2. Veranstalter · Ergänzung

    tragen ihre Events selbst ein.

  3. Nutzer · Ergänzung

    tragen Events bei, die sie kennen.

  4. Ein kleines Team · Prüfung

    prüft und ergänzt.

Unterscheidung zu Wettbewerbern

Ich habe Anbieter wie Eventim, Eventbrite, Rausgegangen, meinestadt und festle analysiert. Die meisten setzen auf Ticketing, Einträge von Veranstaltern oder eine redaktionelle Auswahl. Kleine lokale Events ohne Ticketverkauf oder Marketing fallen dabei oft durch. Lokal Los. legt den Fokus genau auf diese Events und auf Vollständigkeit.

Der Unterschied liegt aber nicht nur darin, wie Events ihren Weg in die App finden, sondern auch in Designentscheidungen, die auf der Recherche basieren.

Weitere Überlegungen

Wichtig war auch, dass die App ohne Login sofort nutzbar ist. Eine Registrierung beim ersten Öffnen wäre eine unnötige Hürde.

Ohne Login

  • MVP-Flow
  • Events merken (werden lokal gespeichert)

Mit Standortfreigabe

  • Entfernung wird in der Eventkarte und auf der Detailseite angezeigt

Mit Login

  • Interessenfilter auswählen für eine personalisierte Eventliste
  • Events einreichen
  • Merkliste auf mehreren Geräten synchronisieren
  • Einstellungen im Konto sichern, z. B. bei Handywechsel

Testing & Iteration

Funktioniert meine Lösung?

Während der Mid-Fi-Phase habe ich einen Usability-Test anhand des MVP-Flows durchgeführt.

MVP-Flow

Methode: User Story Mapping

  1. Standorteingabe
  2. Eventliste scrollen
  3. Eventliste filtern
  4. Eventdaten prüfen
  5. zur externen Seite wechseln
  • Erstnutzung – StandorteingabeDie App speichert den Standort für die nächste Nutzung.
  • Kostenpflichtige & kostenlose Events – zur externen Seite wechselnFür Tickets ist der Wechsel zur Veranstalterseite nötig, für weitere Infos optional.

Die Hauptinteraktion findet komplett auf „Entdecken“ statt.

  1. Mid-Fi-Screen „Wo willst du suchen?“ mit Ortseingabe und Tastatur
    Einstieg:Erstnutzung: Stadt eingeben
  2. Mid-Fi-Screen „Entdecken“ mit Suche, Kategorien und Eventliste in Graustufen
    Entdecken:Events suchen, filtern und eingrenzen
  3. Mid-Fi-Eventdetailseite mit Datum, Ort, Preis und dem Button „Zum Veranstalter“ über der Tab Bar
    Eventdetails:Eventdaten checken und zur externen Seite

Usability-Test

Getestet wurde mit zwei Testpersonen.

Problem 1: Eventdetailseite: CTA-Button, Preiszeile & Tab Bar

  • Beschriftung: „Zum Veranstalter“ machte nicht klar, was Nutzer:innen dort erwartet. Die Beschriftung passte weder zur Zielhandlung bei kostenpflichtigen Events (Tickets kaufen) noch bei kostenlosen Events (weitere Infos).
  • Preiszeile: Beide Testpersonen versuchten stattdessen, auf den Preis zu tippen. Er war aber nicht klickbar.
  • Tab Bar: Der CTA-Button ging zwischen den Navigationselementen unter und wurde von beiden Testpersonen nicht sofort wahrgenommen.

Anpassungen

Vorher: Mid-Fi-Eventdetailseite mit dem Button „Zum Veranstalter“ direkt über der Tab Bar
Vorher
Nachher: Hi-Fi-Eventdetailseite mit tippbarer Preiszeile „Tickets ab 8 €“ und einer Aktionsleiste mit „Tickets kaufen“ ohne Tab Bar
Nachher
  1. Beschriftung: An die jeweilige Handlung angepasst. Kostenpflichtige Events: „Tickets kaufen“, kostenlose Events: „Zur Veranstalterseite“.

  2. Preiszeile: Tippbar gemacht und mit einem Pfeil versehen, der die Weiterleitung signalisiert. So gibt es einen zweiten Weg zum Ticket.

  3. Tab Bar: Auf der Eventdetailseite entfernt. Unten bleibt nur eine Aktionsleiste mit dem CTA-Button, der so nicht mehr zwischen den Navigationselementen untergeht.

Problem 2: Eventdaten auf der Eventkarte

  • Preis & Datum: Die Infos waren vorhanden, aber nicht sichtbar genug. Sie gingen im grauen Text unter.

Anpassungen

Mid-Fi-Eventkarte „Rooftop Sundowner“ in Graustufen mit Veranstalter, Entfernung und Preis unten rechts
Mid-Fi Eventcard
Hi-Fi-Eventkarte „Rooftop Sundowner“ mit Foto, violettem Tages-Badge „Do“ und violett hervorgehobenem Preis „Tickets ab 8 €“
Hi-Fi Eventcard
  1. Datum: Ein lilafarbenes Tages-Badge wurde ergänzt. Es dient Nutzer:innen beim Scannen der Karten als Ankerpunkt für das Auge.

  2. Distanz: Die Distanz wurde nicht entfernt, sondern ist ausgeblendet. Sie wird angezeigt, sobald der Standort freigegeben wird.

  3. Preis: Der Preis wurde farblich hervorgehoben und hat den Platz mit den Chips getauscht. So können Nutzer:innen die Karte von oben nach unten scannen, die Chips sind nur noch Nebeninformation.

  4. Veranstalter: Wurde von der Karte entfernt, weil er für die Entscheidung an dieser Stelle nicht relevant ist.

Woran ich den Erfolg der Änderungen messe

Als nächsten Schritt würde ich die Änderungen mit einer CRO-Hypothese prüfen, anhand von KPIs und UX-Metriken. Beispiel anhand des CTA-Buttons:

  • CRO-Hypothese: Wenn der Button sagt, was dahinter passiert („Tickets kaufen“ oder „Zur Veranstalterseite“) und die Preiszeile ebenfalls zum Ticket führt, wechseln mehr Nutzer:innen zur Seite des Veranstalters, weil sie wissen, was sie erwartet.
  • KPI Task Success: Ticketweg beim ersten Versuch gefunden, vorher 0 von 2, Ziel 4 von 5.
  • UX-Metriken:
    • Fehlklicks und Rückfragen bis zum Ticketweg
    • Sicherheit nach der Aufgabe auf einer Skala von 1 bis 5, Ziel mindestens 4
  • Erfolgreich, wenn mindestens 4 von 5 Testpersonen den Ticketweg beim ersten Versuch ohne Rückfrage finden.

Lösung & Design

Idee und Designentscheidung

Beim Design habe ich bewusst bekannte Muster aus Wettbewerber-Apps übernommen und sinnvoll kombiniert. Nutzer:innen finden sich sofort zurecht, ohne neue Bedienmuster lernen zu müssen.

Ziel ist, dass Nutzer:innen spontan eine übersichtliche Liste aller Events in ihrer Umgebung bekommen, mit Fokus auf kleine lokale Veranstaltungen. Das hilft im Urlaub oder nach einem Umzug, wenn man erst herausfinden muss, wo überhaupt etwas stattfindet. Aber auch wer schon lange vor Ort wohnt, verpasst vieles, weil kleine Events im Internet und analog überall verteilt sind. Laut meiner Recherche betrifft das vor allem Menschen zwischen 20 und 39 Jahren.

Hi-Fi-Screen „Entdecken“: oben Stadtwahl, Suche, Filter und Kategorien, darunter die Eventliste, unten Kartenbutton und Tab Bar

Aufbau: Entdecken

Oben: Suche + Filtern

  1. Stadtwahl + Radius
  2. Schnellfilter (Datum) + Kategorieleiste
  3. Suche
  4. weitere Filter

Unten: Orientieren + Navigieren

  1. Interaktive Karte
  2. Tab Bar
Hi-Fi-Eventdetailseite „Gin Flight“ mit Eventbild, Gefällt-mir-Anzeige, Eventdaten und dem Button „Tickets kaufen“

Aufbau: Eventdetails

Oben: Überblick

  1. Zurück, Teilen und Merken bleiben beim Scrollen sichtbar
  2. Eventbild mit Logo des Veranstalters
  3. Gefällt-mir-Anzeige als Beliebtheitsindikator
  4. Eventdaten auf einen Blick: Datum, Ort, Preis und Adresse

Unten: Handlung

  1. Kurzer Hinweis, was hinter dem Button liegt
  2. CTA-Button „Tickets kaufen“ oder „Zur Veranstalterseite“
Eventdetailseite weiter unten: Beschreibung mit Schlagwort-Chips, „Mehr anzeigen“ und eine Karte mit der Adresse
Eventdetailseite ganz unten: Veranstalter mit Quelle, „Problem melden“ und ähnliche Events als Empfehlungen

Aufbau: Eventdetails, weiter unten

Links: Informationen und Ort

  1. Beschreibung mit Schlagworten als Chips
  2. „Mehr anzeigen“ klappt den vollständigen Text aus
  3. Karte lässt sich vergrößern
  4. Adresse antippbar, öffnet die Optionen der Karten-App

Rechts: Veranstalter und Weiterentdecken

  1. Veranstalter mit Angabe der Quelle
  2. Problem melden, zum Beispiel bei falschen Angaben
  3. Ähnliche Events als Empfehlungen und Werbung

Prototyp im Browser testen

Platzhalter

Hier erscheint der klickbare Prototyp.

Was ist enthalten

  • Simulierte Standorteingabe (Düsseldorf)
  • Klickwege des MVPs
  • Alle Seiten der Tab Bar
  • Empty States

Hinweis Der Prototyp ist kein fertiges Produkt, sondern das Ergebnis meines Bootcamps. Er zeigt den aktuellen Stand des Designprozesses.

Wie messe ich, ob meine Lösung wirklich funktioniert?

Platzhalter Dieser Abschnitt wird gerade ausgearbeitet.

Ergebnis & Learnings

Illustratives Bild: kleines Abendkonzert in einem Hinterhof mit Lichterketten, ein Singer-Songwriter spielt Gitarre, Leute stehen in Gruppen davor
Bild · KI generiert

Mit Lokal Los. sieht Luka an einem Ort, was gerade in seiner Umgebung stattfindet.

Ob das funktioniert, zeigt sich daran, ob Nutzer wiederkommen. Als zentrale UX-Metrik und KPI würde ich deshalb die 60-Tage-Retention messen.

Im Feedback kam außerdem der Hinweis, dass im Header mit Suche, Filter, Kategorieleiste und Tabbar sehr viel gleichzeitig passiert. Das möchte ich als Nächstes gezielt testen.